Ein Zeitzeuge zu Gast am WWG

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Am Freitag, den 15.04.2016, besuchte Leon Weintraub, Überlebender mehrerer Konzentrationslager, darunter Auschwitz, Flossenbürg und Natzweiler, das WWG, um Schülern der Q11 von seinen Erlebnissen zu berichten und sich deren Fragen zu stellen.

Zunächst stellte der Gast sich und sein bisheriges Leben vor: Es war kaum zu glauben, dass der körperlich und geistig so rege Mann tatsächlich schon vor 90 Jahren in Polen als Kind jüdischer Eltern geboren wurde. Nach dem Kriegsausbruch 1939 und dem deutschen Überfall auf Polen mussten Leon Weintraub und seine Familie in das Ghetto Litzmannstadt umsiedeln, wo sie sich mehrmals erfolgreich der Deportation in ein Konzentrationslager entziehen konnten. Im Jahr 1944 jedoch ereilte sie das Schicksal so vieler Ghettobewohner: Leon Weintraub wurde mit seiner Familie in das KZ Auschwitz-Birkenau deportiert, bis heute ein Symbol der Vernichtung von Millionen von Leben. Besonders beeindruckt und betroffen waren die Schüler von den Berichten aus dem Ghetto und den Erlebnissen im KZ. Die von unserem Gast so offen und nüchtern geschilderte „Rettung“ aus Auschwitz wirkte dabei beinahe unglaublich:Nur weil er sich unerlaubt einer fremden Häftlingsgruppe anschloss, die für Zwangsarbeiten in ein anderes Lager verlegt werden sollten, entging Leon Weintraub der Ermordung. Gegen Ende des Krieges verlegten die Nationalsozialisten viele Gefangene in die von der Front weiter entfernten KZ, wovon auch unser Gast betroffen war. Er wurde u.a. nach Flossenbürg deportiert, wo viele Gefangene noch in den letzten Kriegswochen den Tod fanden. Doch trotz allen Sterbens um ihn herum erlebte er am 23.04.1945, abgemagert auf nicht einmal mehr 40 kg, die Befreiung durch französische Truppen.

 

ZeitzeugemitKlasse

 

Und auch wenn im Rahmen des Unterrichts die Zeit des Nationalsozialismus im Vordergrund stand, beeindruckte auch der Lebenslauf von Herrn Weintraub nach 1945: Das Wiedersehen mit seinen Schwestern, sein Studium der Medizin, die eigene Familiengründung und sein beruflicher Werdegang ließen einen Menschen erkennen, der häufig große Hürden überwunden hat und der – trotz aller grauenhaften Erfahrungen – als ein positiver und zufriedener Mann den Schülern aus seinem Leben berichtete.

In der Nachbesprechung konzentrierten sich die Äußerungen der Schüler vor allem auf die plastischen und faktenreichen Schilderungen, das gute Gedächtnis und das Durchhaltevermögen unseres Gastes. Die freundliche Art und das Vermögen, ohne zu klagen über die eigenen schmerzlichen Erfahrungen aus der Zeit des Nationalsozialismus so offen zu besprechen, haben uns alle beeindruckt.

Wir danken Herrn Leon Weintraub für seine Toleranz, seinen Mut und seine gelebtes Engagement und Wünschen ihm noch viele schöne und gesunde Jahre mit seiner Familie.

 

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